Sehr geehrter Trainer,
mein mittlerweile 60jähriger Ehegatte erlitt eine Gehirnblutung 4.Grades aufgrund eines Hirnaneurismas. Der Krankheitsverlauf war extrem schwierig und zog einen Klinikaufenthalt von 9 Monaten und 17 Tagen nach sich.

Wie bereits erwähnt, stand bzw. saß ich viele Monate einerseits bangend, andererseits hoffend am Krankenbett meines Mannes. Für mich war die Teilnahme am Kinaesthetics-Kurs der Einstieg zur tatkräftigen Unterstützung meines Mannes. Kinaesthetics eröffnete mir eine ganz neue Sichtweise im Umgang mit meinem erkrankten Mann. Abgesehen davon hat es nicht nur meinem Mann gut getan, dass ich ihn aufgrund der Kinaesthetics-Erfahrungen schon während der Klinkzeit – auch schon in Zeiten, wo er noch vollständig gelähmt war – zu "handeln" wusste (Schutzhosenwechsel, Seitenlagerung, Rollstuhltransfer etc.). Auch mir hat es gut getan, dass ich meinen Mann nicht nur durch meine Anwesenheit, sondern auch tatkräftig bei seiner Genesung unterstützen konnte. Man muss sich vorstellen mein Mann ist 1,85 m groß und wiegt mittlerweile wieder seine 88 kg und ich bin 1,58 m. Mein Rücken ist dank der Kinaesthetics-Erkenntnisse, die ich bei der Kursteilnahme für die Pflege gewonnen habe, auch noch ganz gesund.

Heute ist mein Mann zu Hause und mehr und mehr in der Lage am Alltag teilzunehmen bzw. auch den Alltag mit mir gemeinsam zu leben. Die Pflege kann ich ohne Pflegedienst alleine bewältigen. Er ist mittlerweile in der Lage selbständig zu laufen, kann vorbereitetes Essen alleine essen, kann sich selbständig waschen, mit ganz wenig Hilfe ins Auto ein und aussteigen und als aufmerksamer Beifahrer im Auto mitfahren (da kommt schon mal der Ausspruch: " Rechts ist frei!"), am Rollator ohne fremde Hilfe laufen, beim Kochen mithelfen u. noch vieles mehr. Davon abgesehen stellt sich Tag für Tag in kleinen Schritten immer mehr und neues ein, bzw. kommt wieder zurück. Dass wir heute überhaupt soweit kommen konnten, ist nicht nur Geduldsache gewesen, sondern vor allem der Erkenntnisse und Erfahrungen zu verdanken, die ich bei der Teilnahme am Kinaesthetics.-Kurs unter der fachkundigen Anleitung von Herrn Volker Müller machen durfte, die ich seitdem täglich anwende.

Ich kann nur jedem empfehlen, der einen kranken Angehörigen zu Hause hat: "Nutzen Sie die Möglichkeit der Teilnahme an Kinaesthetics-Kursen. Dies kann Ihnen dauerhaft helfen Ihre erkrankten Angehörigen in der häuslichen Umgebung und ohne fremde Hilfe pflegen zu können bzw. sie schrittweise wieder in den Alltag zurück zu führen".

Hildegard Trömer




Nur wenige Stunden nach unseren so lehrreichen Abend durfte unsere Mutter "heimgehen".

Vater war nach diesem ereignisreichen Tag sehr müde und schon ins Bett gegangen. Meine Schwester wollte gerade auch gehen, als wir einen dumpfen Schlag hörten, auf dem Rücken liegend und steif vor Schreck haben wir ihn vorgefunden.

Wir haben dann eine weiche Decke untergelegt, ihn animiert, sich auf alle Viere zu drehen und von dort aus konnte er sich am Bett und zwei Stühlen langsam hochziehen. Er hat 13 Jahre die Mutter gepflegt und ist natürlich traurig nach 60 gemeinsamen Ehejahren.

Meine Schwester war ebenso erstaunt wie ich über die funktionierende Art des Aufstehens. Ihnen an dieser Stelle vielen Dank, dass hier so gut geholfen werden konnte nach dem, was wir am Donnerstag geübt hatten. Dieser Tag, der natürlich im Gedächtnis besonders abgespeichert ist, wird immer auch ein Erinnern an diesen Sturz und das wundersame Aufstehen mit Kinaesthetics sein! Die Beerdigung ist am Dienstag, falls ich schon zurück bin und mir danach ist, bin ich gerne am Mittwoch dabei, um weiter zu üben!

G. Müller

 




Erst mal wahrnehmen, was im eigenen Körper stattfindet, wenn wir uns bewegen. Welcher Körperteil "geht vor" und gibt Signale an den nächsten, die Bewegung fortzusetzen?
Dann die gewonnenen Erkenntnisse umsetzen, um Menschen, die eingeschränkt sind, bei der Bewegung zu unterstützen.
Bewegungen auszuprobieren langsam werden, entspannen.

Fazit: Anders geht auch.


Frau M.Hombergs

Schriftliches Statement der Teilnehmerin Frau M. Hombergs PA Kurs 07.10.2011 Bochum Gerthe (Katholisches Klinikum Bochum)

 




Interview mit Frau Claudia Adolph nach dem 4. Tag Kinaesthetics Grundkurs für Pflegende Angehörige - Frau Adolph unterstützt und begleitet ihre hochbetagten Eltern

Welche Ideen und Anregungen haben Sie aus dem Kurs mitgenommen und wie werden Sie diese zu Hause nutzen?

Die wichtigste Idee, die mir der Kurs vermittelt hat ist, dass Pflege nach kinästhetischer Vorgehensweise nach den Grundlagen der Bewegung erfolgt, nach Bewegungsmustern und dass ich diese Muster anpassen kann an die individuellen Möglichkeiten, sei es von mir, sei es von meinem Angehörigen, den ich zu pflegen habe.

Dieses Konzept hat dazu geführt, dass ich nicht mehr so eine Angst habe, etwas "richtig" oder "falsch" zu machen. Die bekomme ich persönlich nämlich immer sofort, wenn ich nur ganz bestimmte Techniken anwenden soll, ganz bestimmte Handgriffe, damit es "funktioniert". Wenn es keine Abwandlung geben darf, bekomme ich eine Sperre, habe Angst, dass ich es entweder "richtig" oder "gar nicht" tun kann.

Im Kurs habe ich jetzt gelernt, dass es auf denjenigen ankommt, der gepflegt wird und auf meine eigenen Möglichkeiten. Das führt bei mir zu viel mehr Ruhe, Selbstvertrauen und Zuversicht in eine angemessene Handlungsweise, statt dass ich vor lauter Unsicherheit und Bedenken, etwas "falsch" zu machen, überhaupt nichts mache!
Durch den Kurs habe ich auch erkannt, bin mir darüber bewusst geworden, wie wichtig auch der "menschliche Faktor" ist, wie ich auf den Menschen zugehe, wie ich mit ihm umgehe, wie ich mit ihm rede - dass das genauso wichtig ist wie die Unterstützung, die ich dann gebe.
Das Allerwichtigste ist aber, dass mein Angehöriger durch die kinästhetische Vorgehensweise das Gefühl hat, er kann etwas (teilweise) selbstständig tun, ich zeige ihm lediglich, was er noch kann und er kann vor allem auch selbst entscheiden. Und gleichzeitig auch ich, der ich unterstütze, mich selbstständig, selbstbestimmt und variabel bewegen kann, also von beiden Seiten her die Selbstständigkeit gefördert wird.

 




Bericht einer Teilnehmerin über einen "Grundkurs Kinaesthetics – Individuelle Bewegungsunterstützung pflegender Angehöriger".

Welche Ideen und Anregungen haben Sie aus dem Kurs mitgenommen und wie werden Sie diese zu Hause nutzen?

Warum sind wir hier? Eine Teilnehmerin pflegt ihren MS-kranken Mann zu Hause und muss sich dem Krankheitsverlauf entsprechend auf wechselnde Situationen einstellen, eine andere besucht häufig ihren pflegebedürftigen Vater in einer anderen Stadt. Ihre Nachbarin betreut ihren demenzerkrankten pflegebedürftigen Vater.

Die Grundhaltung von Kinaesthetics ist: Man wendet sich dem Pflegebedürftigen mit Respekt, Ruhe und der Bereitschaft zu, ihn in seiner noch vorhandenen Bewegungskompetenz zu stärken. Außerdem achtet man auf seine eigene Bewegung und darauf, seiner Gesundheit nicht zu schaden.
Wir erfahren mit dem eigenen Körper, wie es sich anfühlt, auf unterschiedliche Weise bewegt zu werden. Was ist eher unangenehm, welche Art der Bewegung macht mir das Aufstehen vom Stuhl leicht? Was passiert, wenn ich im Pflegebett liege und eine Kursteilnehmerin durch Verschieben von stützenden Keilen meine Lage verändert?

Manches scheint uns schier unvorstellbar: Die zierliche Frau neben mir soll es schaffen, einen großen Mann, liegend im Pflegebett, aufzurichten und in den daneben stehenden Rollstuhl zu setzen? Wie soll das gehen? Kurze Zeit später wissen wir: Es geht! Jeder bekommt ausreichend Zeit, um mit und an einem Kurspartner zu üben; Alle Fragen, die sich ergeben, werden beantwortet, und am Ende weiß jeder: Es funktioniert sehr gut, und zwar mit deutlich weniger Anstrengung als gedacht. Und das ist ja ein zentrales Thema: Die Anstrengung, den Stress beim Pflegen verringern, seine eigene Gesundheit schützen, mit dem Pflegebedürftigen in einen harmonischen Bewegungsablauf kommen. Vieles erinnert daran, wie zwei Tanzende ihre Bewegungen koordinieren, wie sie körpersprachlich aufeinander hören.

An jedem Kursabend können die Teilnehmer berichten, ob sie das Gelernte in ihrem Alltag anwenden konnten und welche Folgen sich daraus ergaben. Das ermöglicht uns ein Lernen auf die persönliche Situation hin und ermutigt, erste Erfahrungen in der Praxis umzusetzen. Und profitiert von diesem "Grundkurs" haben zuletzt nicht nur die Teilnehmer, sondern noch einmal so viele Menschen, nämlich die Pflegebedürftigen, denen sich die Teilnehmer nun mit ganz anderer Sichtweise zuwenden können.

Frau Bernhild Hagemeister

 




Interview mit Frau Petra Trenkle nach einem Aufbaukurs. Frau Trenkle unterstützt seit 7 Jahren einen älteren Herrn in ihrer Nachbarschaft. Kürzlich hatte er seinen Knöchel gebrochen. Dies hat die pflegerische Situation sehr verändert. Zuvor war er relativ mobil, nun benötigt er mehr Bewegungsunterstützung.

Frau Trenkle, Sie haben einen Grundkurs gemacht und nun den Aufbaukurs absolviert. Welche Ideen und Anregungen haben Sie aus dem Kurs mitgenommen, und wie werden Sie diese mit Ihrem Angehörigen nutzen?

Ich hatte mir vor dem Grundkurs vorgestellt, dass ich praktisches Handwerkszeug bekomme, das ich statisch anwenden kann. Ich bin ganz unbedarft hierher gekommen und dachte, ich bekomme so schematisch ein paar Dinge gezeigt und bekomme so und so die Lösung präsentiert.
Die Quintessenz aus meinem Grundkurs war, dass das alles einen tieferen Sinn bekommen hat. Es geht um so viele Feinheiten. Ich habe ein tiefes Verständnis bekommen für meinen eigenen Körper, für meine eigenen Sinne und bin wachsamer und aufmerksamer geworden. Im Aufbaukurs habe ich das jetzt noch verfeinert und weiter entwickelt. Ich finde es eine faszinierende Steigerung und habe für mich die Erfahrung gemacht, dass es von großem Vorteil war, den Aufbaukurs bald nach dem Grundkurs zu machen. So konnte ich gut auf dem Grundwissen aufbauen und mehr noch bei mir selbst über die eigene Bewegung entdecken.

Mich bewegt daran sehr, dass ich nun viel besser mit mir selbst in den Kontakt komme und dadurch kann ich mit meinem Angehörigen, mit meinem Gegenüber auch tiefer in Kontakt kommen. Es geht so feinsinnig ab, es geht nicht um richtig oder falsch. Es geht darum Möglichkeiten, zu entwickeln. Kinaesthetics ist schöpferisch und kreativ. Es gibt nicht nur einige Bewegungsmöglichkeiten, sondern unendlich viele Möglichkeiten. Ich habe sehr viel für mich gelernt.

Meine Idee war ursprünglich, damit kann ich meinem Angehörigen sehr viel Gutes tun. Nun habe ich bemerkt, dass ich nicht nur ihm, sondern vor allem auch mir etwas Gutes tun kann. Es macht mir leichter, auf den Anderen ein zu gehen. Ich habe gelernt, dass ich nicht nur nach mir schauen kann, aber auch nicht nur nach dem Anderen, sondern dass es ein Zusammenspiel ist.
Nur wenn ich mit mir selber rund bin und im Fluss bin, erst dann kann ich mit meinem Gegenüber arbeiten. Was mir hier gezeigt hat, wenn ich an einem Problem hänge, erst mal einen Schritt zurück zu gehen, erst mal schauen, was ist denn da los und erst dann wieder weitermachen. Für mich ist Kinaesthetics zur eigenen Persönlichkeitsarbeit geworden. Es ist bei mir zwischenmenschlich ganz viel passiert, ich beobachte nun viel mehr im Alltag. Der Ansatz ist für mich nun eindeutig geworden, erst bei mir selbst anzufangen. Mit meinem Angehörigen habe ich gelernt, dass ich die Interaktion über die Sinne nun intensiver gestalten kann.
Ich bin im Umgang mit meinem Angehörigen freudiger, feinfühliger und entspannter geworden. Ich habe nun mehr Möglichkeiten, in kann mich auf neue Situationen entspannter einlassen. Ich verurteile mich nicht mehr selbst, dass ich etwas falsch mache, sondern dass es darum geht, viele Möglichkeiten gemeinsam auszuloten. Dadurch nehme ich vieles selbst nicht mehr so persönlich und verurteile auch den anderen nicht mehr, sondern schaue, wie wir beide miteinander in Kontakt kommen können.

Durch den Köchelbruch bei meinem Nachbarn veränderte sich sehr die Bewegungsunterstützung, derer er nun bedurfte. Auf einmal war der Teppich in der Wohnung ein Problem beim Laufen geworden, er stolperte öfters. Da bekam ich meinen „Stopp-spannend-Moment“, wo ich anfangs ganz schön viel Anstrengung bekam und mir nicht mehr so recht zu helfen wusste. Nun habe ich für mich gelernt, dass ich mit dieser Situation anders zu Recht komme. Ich gehe auf ihn ein und wir suchen gemeinsam nach Möglichkeiten.

Die Sinne sind für mich das A und O, das wurde mir im Aufbaukurs nochmals deutlicher. Zuerst bedarf es der Interaktion, das gemeinsame in Kontaktkommen, bevor ich ihn überhaupt unterstütze. Der Aufbaukurs ist nochmals eine Verfeinerung zum Grundkurs. Durch den Grundkurs sind die Grundvoraussetzungen geschaffen und nun konnte ich mich im Aufbaukurs auf alles tiefer einlassen. Auch das Gruppenerlebnis, der Austausch miteinander, das gemeinsame Erarbeiten war für mich ein großes Erlebnis.
Ich werde weiterhin Kinaesthetics in meinen Alltag, in meinem Leben anwenden, neues ausprobieren, Kreationen und Variationen suchen für mich und gemeinsam mit meinem Gegenüber entdecken und ausprobieren.

 




Frau Anna-Maria Unger:

„Dieser Kurs war eine echte Überraschung für mich!

Da pflege ich die eigene Mutter und denke:„Ich gehe mal in diesen Kurs; da lerne ich vielleicht ein paar Handgriffe, um der Mutter hilfreicher sein zu können.“

Stattdessen erfahre ich ganz viel über mich selbst und schärfe meinen Blick auch auf den Nächsten, denke über meine Interaktionen nach, damit auch über mein Leben ...

und damit habe ich bei der Anmeldung nicht gerechnet.“

 

Herr Reinhard A. Unger:

„Als ich von dem Kurs hörte, war mein erster Gedanke, gemeinsam mit meiner Frau Techniken für die Pflege meiner Schwiegermutter zu lernen. Bisher wurde ich als Mann bei der Pflege unter dem Aspekt eingesetzt „wo Kraft zum Heben und Tragen gebraucht wird, muss der Mann dran“.

Aber mit der Anleitung der beiden engagierten Trainer erkannte ich sehr bald, dass dieser Kurs alle Bereiche meines Lebens, aber insbesondere meine Interaktion mit meiner Ehefrau zum Thema hat. Die Sensibilisierung für die Fragen des Raumgebens, des Bewegungstempos und der Beeinflussung von Außen hat für mich nicht nur im Pflegebereich eine fruchtbare Erweiterung auf die eigene Partnerschaft erfahren.“

 

Statement des Ehepaares Unger nach einem PA-Kurs in Bochum Gehrte (Katholisches Klinikum Bochum)

 


 

 

 

 

 

 

Kinaesthetics Pflegende Angehörige